Mein psychedelischer Trip

Station 1 von 7 · 7 Tage vorher

Set und Setting, die Vorbereitung in den Tagen davor

Aktualisiert

Set und Setting sind die zwei Dinge, die neben der Substanz selbst bestimmen, wie ein psychedelischer Trip verläuft. Set ist deine innere Verfassung: Stimmung, Erwartungen, Schlaf, Sorgen. Setting ist die Umgebung: der Ort, die Menschen, die Uhrzeit, die Geräusche. Die Zürcher Fachstelle saferparty fasst das als Dreiklang „Drug, Set, Setting“ zusammen und schreibt, dass negative Grundstimmungen wie Angst, Schwäche und Traurigkeit durch psychoaktive Substanzen eher verschlimmert werden (saferparty).

Eine Woche ist ein guter Vorlauf. Genug Zeit, um die wichtigen Fragen zu klären, und kurz genug, dass sich deine Lage bis zum Tag selbst nicht völlig verändert.

Woher der Begriff kommt

Die Begriffe tauchen schon 1958 beim Biologen Ludwig von Bertalanffy auf. Bekannt gemacht hat sie ab 1961 der US-Psychologe Timothy Leary, der damit die Wirkung von LSD und Psilocybin erklären wollte. 1984 erweiterte der Psychiater Norman Zinberg das Konzept in seinem Buch Drug, Set, and Setting auf Alkohol, Kokain und Heroin (Wikipedia). Der Gedanke dahinter ist bis heute derselbe: Die gleiche Menge derselben Substanz kann bei zwei Menschen oder an zwei Tagen sehr verschieden wirken.

Wie stark das ins Gewicht fällt, zeigt eine Umfrage der Johns Hopkins University unter 1.993 Menschen über ihre schwierigste Erfahrung mit psilocybinhaltigen Pilzen. Ob jemand sich oder andere in Gefahr brachte, hing unter anderem davon ab, ob körperliches Wohlbefinden und soziale Unterstützung fehlten (Carbonaro u. a. 2016). Beides ist Setting, und beides kannst du planen.

Set: deine Verfassung in dieser Woche

saferparty rät, Pilze nur ausgeschlafen und in guter psychischer und körperlicher Verfassung zu nehmen (saferparty). Geh deshalb sieben Tage vorher ehrlich durch, wie es dir gerade geht:

  • Schläfst du normal, oder liegen kurze Nächte hinter dir?
  • Steht in den Tagen danach etwas Wichtiges an: eine Prüfung, ein Umzug, ein schweres Gespräch?
  • Gibt es gerade Streit, Trauer oder eine Trennung, die dich beschäftigt?
  • Willst du den Trip, oder macht jemand anderes Druck?
  • Was erwartest du? Wer mit einer konkreten Hoffnung hineingeht, wird leichter enttäuscht oder verunsichert.

Passt eine dieser Antworten nicht, ist Verschieben die sicherste Entscheidung. Ein Termin in drei Wochen ist kein Verlust.

Wer verzichten sollte. saferparty rät vom Konsum ab bei hohem Blutdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gerinnungsstörungen und wenn in der Familie chronische Psychosen vorkommen, weil dann das Risiko steigt, dass eine Psychose ausbricht (saferparty). Das Präventionsprojekt Mindzone weist darauf hin, dass schon ein einmaliger Konsum latent vorhandene Störungen auslösen kann (Mindzone). Nimmst du Medikamente, lies die Seite über Mischkonsum, bevor du weiterplanst.

Setting: Ort, Menschen, Zeit

Ein gutes Setting ist unspektakulär. Es ist ein Ort, an dem du dich sicher fühlst, den du kennst und an dem dich niemand stört. saferparty nennt eine vertraute, nicht zu reizvolle Umgebung mit Menschen, denen du vertraust (saferparty).

  • Der Ort. Eine Wohnung, in der du Licht, Musik und Temperatur selbst bestimmst. Ein Bad in der Nähe, ein Bett oder ein Sofa, Decken. Keine Menschenmengen, kein Festival, kein Ort, an dem du Fremden erklären musst, was mit dir los ist.
  • Die Menschen. Eine nüchterne Begleitung, die du gut kennst. Was sie können sollte, steht auf der Seite Tripsitter. Gruppen machen den Tag unberechenbarer, weil sich Stimmungen gegenseitig anstecken.
  • Die Zeit. Plane den ganzen Tag ein und den Tag danach frei. Die Wirkung dauert mehrere Stunden, und auch danach bist du noch nicht ganz klar.
  • Die Rechtslage. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind psilocybinhaltige Pilze und Trüffel verboten. Was in den Niederlanden gilt, steht unter Rechtslage.

Die Woche davor als Plan

WannWas du klärst
7 Tage vorherDatum festlegen, Tag danach freihalten, Tripsitter fragen
6 bis 4 Tage vorherMedikamente und andere Substanzen prüfen, siehe Mischkonsum
3 Tage vorherOrt klären, bei einem Aufenthalt in den Niederlanden die Rechtslage lesen
2 Tage vorherKeine durchfeierten Nächte mehr, normal essen und schlafen
Am VorabendAbsprache mit dem Tripsitter, Sachen bereitlegen, früh ins Bett

Halte die Tage davor ruhig. Wer am Wochenende davor feiert, wenig schläft und Alkohol trinkt, startet mit einem schlechteren Set.

Was du am Vorabend bereitlegst

  • Wasser und etwas Leichtes zu essen für später, zum Beispiel Obst, Brot, Suppe
  • Decken, bequeme Kleidung, Socken
  • eine Augenmaske oder ein Tuch und Kopfhörer
  • eine Playlist ohne Werbung, die mehrere Stunden läuft
  • ein geladenes Telefon mit den Notrufnummern, das beim Tripsitter liegt
  • ein Notizbuch für den Tag danach
  • die Adresse des Ortes, falls jemand den Rettungsdienst rufen muss

Wie der Tag selbst aussieht, beschreibt die nächste Station: Am Tag selbst.

Quellen

  1. saferparty Zürich: Drug, Set, Setting und Psilocybin
  2. Wikipedia: Set and setting (englisch)
  3. Carbonaro, T. M. u. a. (2016): Survey study of challenging experiences after ingesting psilocybin mushrooms, Journal of Psychopharmacology 30(12)
  4. Mindzone: Pilze