Mein psychedelischer Trip

Station 7 von 7 · Am Tag danach

Am Tag danach und in den Wochen danach

Aktualisiert

Der Tag nach einem Trip gehört der Ruhe. saferparty rät, sich zumindest am Tag danach viel Ruhe und Erholung zu gönnen, um die Erfahrung verarbeiten zu können (saferparty). Deshalb steht dieser Tag schon in der Planung als freier Tag im Kalender. Diese Seite geht durch, was am Tag danach sinnvoll ist und wie du in den Wochen danach mit dem Erlebten umgehst.

Der erste Tag

Viele sind am Morgen danach müde, manche fühlen sich leicht, andere gedrückt oder dünnhäutig. Beides kommt vor. Mindzone beschreibt, dass der Rausch sanft ausklingt und oft Müdigkeit folgt (Mindzone).

  • Schlaf aus. Kein Wecker, wenn es geht.
  • Iss und trink normal. Ein richtiges Frühstück, Wasser, warmes Essen.
  • Bleib in der Nähe. Ein Spaziergang ist gut, eine Fahrt mit dem Auto noch nicht, solange du dich nicht völlig klar fühlst.
  • Kein Anschluss-Programm. Keine Party, kein Alkohol, keine weitere Substanz.
  • Sprich mit deiner Begleitung. Sie hat den Tag von außen gesehen und kann erzählen, was du selbst nicht mitbekommen hast.

Notizen, solange die Erinnerung frisch ist

Erinnerungen an einen Trip verblassen schnell, ähnlich wie Träume. Nimm dir am Tag danach eine halbe Stunde und das Notizbuch, das du am Vorabend bereitgelegt hast. Diese Fragen helfen beim Schreiben:

  1. Wann hast du genommen, wann hat die Wirkung begonnen, wann war sie vorbei?
  2. Was war angenehm, was war schwierig, und wann?
  3. Was an der Umgebung hat gestört oder geholfen: Musik, Licht, Menschen, Geräusche?
  4. Was würdest du beim nächsten Mal anders planen, falls es ein nächstes Mal gibt?
  5. Welche Gedanken oder Bilder sind dir geblieben?

Schreib auf, was war, nicht was es bedeuten könnte. Die Deutung hat Zeit.

Einordnen, was du erlebt hast

Für das Einordnen nach einem Trip hat sich der Begriff Integration eingebürgert. Gemeint ist nichts Geheimnisvolles: Du nimmst dir Zeit, das Erlebte nüchtern anzuschauen, darüber zu reden und zu entscheiden, was davon für deinen Alltag eine Rolle spielt und was nicht.

Ein paar Grundsätze halten das auf dem Boden:

  • Was sich während des Trips wahr anfühlt, ist noch keine Tatsache. Psilocybin verändert Wahrnehmung und Denken. Gedanken, die in diesem Zustand zwingend wirken, verdienen eine zweite Prüfung im nüchternen Zustand.
  • Keine großen Entscheidungen in den ersten Wochen. Kündigung, Trennung, Umzug: Wenn die Idee nach einem Monat noch trägt, ist immer noch Zeit dafür.
  • Reden statt grübeln. Ein Gespräch mit einem vertrauten Menschen ordnet mehr als langes Nachdenken allein.
  • Erwarte keine Wirkung auf dein Leben. Ein Trip ist ein Erlebnis mit einem Anfang und einem Ende. Was du daraus machst, entscheidest du nüchtern.

Diese Seite verspricht bewusst nichts darüber, was ein Trip für dich langfristig bedeutet. Darüber gibt es viele Behauptungen und wenig, was sich für einen Trip zu Hause belegen ließe.

Wenn etwas nicht vergeht

Bei den meisten klingen Müdigkeit und Dünnhäutigkeit nach ein, zwei Tagen ab. Manchmal bleibt etwas länger. saferparty nennt als mögliche längerfristige Risiken Psychosen bei bestehender Anfälligkeit, belastende Nachwirkungen nach Bad Trips und seltene Flashback-Phänomene, also kurze Wiederkehr von Trip-Effekten im Alltag (saferparty). In der Johns-Hopkins-Umfrage zu schwierigen Pilztrips hatten 7,6 % der Befragten, deren Erlebnis mehr als ein Jahr zurücklag, wegen anhaltender psychischer Beschwerden professionelle Hilfe gesucht (Carbonaro u. a. 2016).

Hol dir Hilfe, wenn Angst, Unruhe, Schlafprobleme oder veränderte Wahrnehmung länger als ein paar Tage anhalten, oder sofort, wenn du dich selbst nicht mehr sicher fühlst:

LandRund um die Uhr erreichbar
DeutschlandTelefonSeelsorge, 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222
ÖsterreichTelefonSeelsorge, 142
SchweizDie Dargebotene Hand, 143
ÜberallNotruf 112

Außerdem beraten Drogen- und Suchtberatungsstellen vertraulich und meist kostenlos, und deine Hausärztin oder dein Hausarzt ist eine gute erste Anlaufstelle. Erzähl dort offen, was du genommen hast.

Bevor du an ein nächstes Mal denkst

Lass Zeit vergehen. Mindzone weist darauf hin, dass sich bei Pilzen eine Toleranz bilden kann (Mindzone): Kurz hintereinander wirkt dieselbe Menge schwächer, was wieder zum Nachlegen verleitet. Lies deine Notizen, bevor du planst, und fang die Zeitleiste von vorne an: bei Set und Setting.

Quellen

  1. saferparty Zürich: Psilocybin
  2. Mindzone: Pilze
  3. Carbonaro, T. M. u. a. (2016): Survey study of challenging experiences after ingesting psilocybin mushrooms, Journal of Psychopharmacology 30(12)